Archivaliensammlung zu Kloster Sonnenburg unter Schutz gestellt

17.07.2025, 08:45

Schriftgutbestand der Sammlung Knötig gibt Aufschluss vor allem zum frühneuzeitlichen Stift in St. Lorenzen – Durch Unterschutzstellung kann um Beiträge des Landes angesucht werden

Die Sonnenburg in St. Lorenzen (im Bild eine ältere Aufnahme, von Südosten aus gesehen) beheimatete ein bedeutendes Frauenkloster. Eine historisch bedeutsame Sammlung von Schriftgut aus dem Mittelalter und der Neuzeit wurde nun unter Denkmalschutz gestellt. (Foto: Bildarchiv des Landesdenkmalamtes)
Die Sonnenburg in St. Lorenzen (im Bild eine ältere Aufnahme, von Südosten aus gesehen) beheimatete ein bedeutendes Frauenkloster. Eine historisch bedeutsame Sammlung von Schriftgut aus dem Mittelalter und der Neuzeit wurde nun unter Denkmalschutz gestellt. (Foto: Bildarchiv des Landesdenkmalamtes)

ST. LORENZEN (LPA). Das Frauenkloster Sonnenburg gehörte zu den wichtigsten Grund- und Gerichtsherren im mittleren Pustertal und Gadertal. Dementsprechend sind zahlreiche Dokumentationen verfasst worden. Das eigentliche Klosterarchiv ist im Bestand des Tiroler Landesarchivs in Innsbruck zu finden. Doch es gibt auch mehrere private Schriftgutsammlungen, die zur Geschichte des Stifts Aufschluss geben. Zu den bedeutendsten dieser Sammlungen gehört jene von Karl Knötig (1927–2018), der Sonnenburg 1965 erworben und die ehemalige, zum Großteil verfallene Klosteranlage bis 1972 zu einem Hotel umgebaut hatte. Knötig erwarb aus verschiedenen Quellen Urkunden und Aktenstücke, die (vorwiegend) Sonnenburg betreffen.

Unterschutzstellung sichert Dokument der Südtiroler Kultur- und Rechtsgeschichte

Das so zusammengetragene Schriftgut stammt größtenteils aus den neuzeitlichen Jahrhunderten, ebenso einzelne mittelalterliche Stücke, darunter eine Notariatsurkunde von 1312. Die Unterlagen geben Aufschluss über das wirtschaftliche Gebaren und die Grund- und Gerichtsherrschaft des Stifts. Ebenso sind darin Informationen über den Konvent selbst, über einzelne Chorfrauen, Novizinnen und hier untergebrachte und versorgte Töchter aus vornehmlich tirolischem Adel zu finden. Die aktuellen Eigentümer der Sonnenburg, die HSS GmbH, hat den Bestand in den vergangenen Monaten fachgerecht verzeichnen lassen, nun wurde die Sammlung von Landeskonservatorin Karin Dalla Torre im Einvernehmen mit den Eigentümern unter Denkmalschutz gestellt. Diese Maßnahme bietet die Gewähr, dass der Bestand in seiner Gesamtheit erhalten bleibt und der Forschung zur Verfügung steht. Auch Landesrat Philipp Achammer ist darüber erfreut: "Mit der Unterschutzstellung dieser einzigartigen Sammlung wird ein bedeutendes Stück Südtiroler Kultur- und Rechtsgeschichte bewahrt. Es ist unser Ziel, solche Zeugnisse nicht nur zu sichern, sondern sie auch der Forschung und interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen."

Sammlung wird öffentlich zugänglich

Die Archivaliensammlung Knötig soll nach Beendigung der zurzeit stattfindenden Bauarbeiten in der Sonnenburg verwahrt und dort zugänglich gemacht werden. Durch die Unterschutzstellung kann für die unterschiedliche Bereiche (Verzeichnungs- und Ordnungsarbeiten, sachgerechte Verwahrung, Restaurierung durch das Landesarchiv) um Landesbeiträge beim Landesdenkmalamt angesucht werden. Informationen dazu gibt es online unter https://kulturgueter.provinz.bz.it/de/home.

Zusatzinformationen

Sonnenburg bei St. Lorenzen

ST. LORENZEN (LPA). Das Frauenkloster Sonnenburg wurde in den 1030er Jahren von den Grafen im Lurngau gegründet und von St. Georgen am Längsee (Unterkärnten) besiedelt. Seit dem 13. Jahrhundert folgte es der Benediktinerregel und wurde 1785 im Zuge der josephinischen Reformen aufgehoben.

Es gehörte zu den wichtigsten Grund- und Gerichtsherren im mittleren Pustertal (Hofgericht Sonnenburg) und im Gadertal (Eigengericht Enneberg). Über seine Landstandschaft (sprich: das Recht im Landtag seine Rechte zu vertreten) im Rahmen der Prälatenkurie war es auch ein politischer Faktor im Verfassungsgefüge der Grafschaft Tirol. Diese ständische Exklusivität machte Sonnenburg zu einer Domäne des regionalen Adels.

red/ck