Genossenschaften bieten integrative und nachhaltige Lösungen

03.07.2025, 07:23

Vielfältige Aufgabenbereiche von Genossenschaftswesen abgedeckt – Landesrätin Pamer würdigt aktive Rolle der Genossenschaften bei sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung

Zu den in Südtirol tätigen Genossenschaften zählen auch 72 Wohnbaugenossenschaften, bei denen Bauherrinnen und Bauherren gemeinsam ihren künftigen Wohnraum verwirklichen. (Foto: LPA/Greta Stuefer)
Zu den in Südtirol tätigen Genossenschaften zählen auch 72 Wohnbaugenossenschaften, bei denen Bauherrinnen und Bauherren gemeinsam ihren künftigen Wohnraum verwirklichen. (Foto: LPA/Greta Stuefer)

BOZEN (LPA). Unter dem Motto "Genossenschaften: Integrative und nachhaltige Lösungen für eine bessere Welt" wird am 5. Juli der Internationale Tag der Genossenschaften begangen. 2025 wurde zudem von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt, um diesem Bereich mehr Sichtbarkeit zu verleihen. "Genossenschaften sind nicht nur eine wirtschaftliche Organisationsform, sondern auch ein Ausdruck gelebter Solidarität und Zusammenarbeit. Sie sind soziale Organisationen, die das Wohl ihrer Mitglieder und der Gemeinschaft fördern, bieten eine Plattform für kollektives Handeln und gegenseitige Unterstützung, was besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und sozialer Herausforderungen von großer Bedeutung ist", ist die für Genossenschaften zuständige Landesrätin Rosmarie Pamer überzeugt. Der Internationale Tag sei "eine Gelegenheit, die bedeutende Rolle von Genossenschaften weltweit zu würdigen und ihre Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung und sozialen Gerechtigkeit hervorzuheben", sagt Pamer.

Weltweit gibt es drei Millionen Genossenschaften mit rund einer Milliarde Mitgliedern und 280 Millionen Arbeitsplätzen. "Auch in Südtirol sind die Zahlen beeindruckend: Die 823 Genossenschaften im Land decken eine Vielzahl an Dienstleistungen ab, die der Einzelne nicht allein meistern könnte", unterstreicht Manuela Paulmichl, Direktorin des Amtes für Genossenschaftswesen. "Diese reichen von 312 Produktions- und Arbeitergenossenschaften über 11 Konsumgenossenschaften bis hin zu 235 Sozialgenossenschaften. Im Landesregister der Genossenschaftlichen Körperschaften sind alle Genossenschaften mit Rechtssitz in Südtirol erfasst."

Genossenschaften: Vielfältige Arbeitgeber und wirtschaftliche Akteure

6414 Frauen und 5414 Männer (sechs Prozent der unselbstständig Beschäftigten) arbeiten in Südtiroler Genossenschaften, Spitzenreiter ist die Landwirtschaft mit 2990, gefolgt von Finanzdienstleistungen mit 1785 Beschäftigten und an dritter Stelle das Sozialwesen mit 1753 Angestellten. 50,4 Prozent der Genossenschaftsmitarbeitenden sind zwischen 40 und 60 Jahren, 85,8 Prozent sind italienische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Details dazu gibt es unter anderem in der Arbeitsmarktnews 8/2024 (abrufbar unter https://arbeit.provinz.bz.it/de/arbeitsmarkt-news).

Zu den landwirtschaftlichen Genossenschaften zählen 83 landwirtschaftliche Anlieferungs- und Zuchtgenossenschaften, fünf Landarbeitergenossenschaften und ein landwirtschaftliches Konsortium. Sie unterstützen vor allem bei Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. 

Zu den Finanzdienstleistungsgenossenschaften werden 41 Raiffeisenkassen gezählt, dem Bereich Soziales werden unter anderem 62 Sozialgenossenschaften des Typs B, die wesentlich zur beruflichen Eingliederung von benachteiligten Menschen beitragen, sowie 173 Sozialgenossenschaften des Typs A, die hochwertige Dienstleistungen in den Bereichen Soziales, Erziehung, Schule, Kultur und Gesundheit, wie zum Beispiel Kinder- und Seniorenbetreuung  anbieten, gezählt. Zudem gibt es mittlerweile 72 Wohnbaugenossenschaften in Südtirol.

"Unser Ziel ist es, das Genossenschaftswesen in Südtirol weiterzuentwickeln und auch neuen Bedürfnissen anzupassen", erklärt Landesrätin Pamer. "Bürgergenossenschaften zum Beispiel stärken kleine Kreisläufe auf dem Land sowie in städtischen Gebieten. Dadurch werden abwanderungsgefährdete Gegenden unterstützt und Stadtviertel inklusiver gestaltet. Neue Genossenschaftsformen entstehen, um dem demographischen Wandel konstruktiv zu begegnen und aktives Altern zu fördern." Diese Weiterentwicklung wird auch vom Kompetenzzentrum für das Management von Genossenschaften der Freien Universität Bozen mitgetragen.

Zusatzinformationen

Stimmen der Genossenschaftsverbände

BOZEN (LPA). In Südtirol gibt es mit dem Raiffeisenverband Südtirol, Coopbund Alto Adige Südtirol, Cooperazione Autonoma Dolomiti und AGCI Alto Adige Südtirol vier anerkannte Genossenschaftsbünde. Sie vertreten die Anliegen der Mitgliedsgenossenschaften und sind wichtige Ansprechpartner für das Amt für Genossenschaftswesen.

Energiegenossenschaften und in letzter Zeit zunehmend erneuerbare Energiegemeinschaften sichern auch in abgelegenen Landesteilen eine günstige Bedarfsdeckung durch erneuerbare Energie. Der Obmann des Raiffeisenverband Südtirol, Herbert Von Leon sieht im gut funktionierenden Genossenschaftswesen eine große Chance für Energiegemeinschaften: "Energiegemeinschaften erweisen sich als Musterbeispiel für das genossenschaftliche Prinzip: gemeinsam lokale Lösungen schaffen, die ökologisch und ökonomisch Sinn machen. Und: sie fördern regionale Wertschöpfung und entlasten die öffentliche Hand. Bereits heute unterstützt der Raiffeisenverband zehn Energiegemeinschaften auf ihren Weg mit Expertise und Erfahrung. Wir sollten dieses Jahr der Genossenschaften nutzen, um die Stärken und Besonderheiten des Genossenschaftswesens sichtbar zu machen und neue Mitglieder für unsere Idee zu gewinnen."

"Wohnbaugenossenschaften und Sozialgenossenschaften des Typs B leisten einen wichtigen Beitrag zur sozialen Integration in Südtirol", erklärt Monica Devilli, Präsidentin von Coopbund Alto Adige Südtirol. "Leistbares und gemeinschaftlich organisiertes Wohnen fördert den sozialen Zusammenhalt und ermöglicht eine aktive Teilhabe unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig schaffen Sozialgenossenschaften Typ B konkrete Perspektiven für Menschen mit Benachteiligungen – insbesondere durch arbeitsmarktnahe Integrationsangebote. Beide Modelle zeigen, wie genossenschaftliches Handeln zur Inklusion beitragen und gesellschaftliche Teilhabe stärken kann."

Genossenschaften als gelebte soziale Wirtschaftsform möchte der Genossenschaftsbund Cooperdolomiti fördern: "Genossenschaften tragen in ihren vielfältigen Wirkungsbereichen, die von der Kultur, der Arbeit über das Soziale hin zum Wohnbau reichen, zum Wohlstand in Südtirol wesentlich bei. Gleichzeitig sind wir Teil einer weltweiten Gemeinschaft an Genossenschaften, die sich mutig den Herausforderungen unserer Zeit stellt", sagt Enrico Bramerini, Präsident von Cooperdolomiti Cooperazione Autonoma Dolomiti . 

"Aktives Altern stellt für die Bevölkerung Südtirols, wie auch für viele andere europäische Regionen, eine große Herausforderung dar", ist Marco Schoepf, Präsident von AGCI Alto Adige Südtirol überzeugt. "Genossenschaften können ein Vorbild sein, um aktives Altern zu fördern und ältere Menschen in ihrer Autonomie und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu unterstützen. In diesem Zusammenhang können Genossenschaften dank ihrer Fähigkeit, Mitglieder und die lokale Gemeinschaft in die Gestaltung und Umsetzung innovativer und nachhaltiger Dienstleistungen einzubeziehen, eine wichtige Rolle bei der Förderung eines aktiven und nachhaltigen Alterns in Südtirol spielen."

red/ck