Terra Raetica: Mit kleinen Projekten Großes bewegen

28.07.2026, 08:05

Kleinprojektfonds des Interreg Italien-Schweiz-Programms finanziert Vorhaben, die von lokalen Akteuren angeregt werden - Von Weiterbildung der Musikkapellen bis Erweiterung der 8-Kirchen-Wanderung

Die Brass Band Terra Raetica bei einem ihrer Auftritte im Vinschgau. Die Musiker pflegen grenzüberschreitend Kontakt und beteiligen sich an gemeinsamen Weiterbildungsveranstaltungen, die über den Kleinprojektefonds finanziert werden. (Foto: Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung)
Die Brass Band Terra Raetica bei einem ihrer Auftritte im Vinschgau. Die Musiker pflegen grenzüberschreitend Kontakt und beteiligen sich an gemeinsamen Weiterbildungsveranstaltungen, die über den Kleinprojektefonds finanziert werden. (Foto: Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung)

SCHLANDERS (LPA). Der Kleinprojektefonds im Interreg Italien-Schweiz-Einzugsgebiet ist eine Besonderheit: Selbst die kleinsten Akteure haben hier die Chance, ihre Aktivitäten begleiten und finanziell unterstützen zu lassen. 4 Projekte haben vom Terra-Raetica-Rat inzwischen grünes Licht erhalten und sind in Umsetzung. Unter anderem geht es um die grenzüberschreitende Weiterbildung von Musikkapellen, um die Digitalisierung von Kirchen sowie um eine interaktive Loipenkarte und einen Stationenweg entlang der Stilfserjoch-/Umbrailstraße. 

"Der Kleinprojektefonds zeigt, wie viel Energie und Kreativität vor Ort in unseren Gemeinden steckt. Auch kleinere Vereine und Akteure können ihre Ideen dadurch rasch und niederschwellig umsetzen. So entstehen direkte Kontakte zwischen den Menschen auf beiden Seiten der Grenze, man tauscht Erfahrungen aus und lernt voneinander – das ist der Nährboden für eine langfristige europäische Zusammenarbeit", betont Europa-Landesrätin Magdalena Amhof

Vom Erfolg der ersten Kleinprojekte berichtet Alessandro Fränkel, der Verantwortliche für das Interreg Italien-Schweiz-Programm in der Abteilung Europa: "Der Kleinprojektefonds Graubünden-Vinschgau liegt uns ganz besonders am Herzen und wir möchten die Aktivitäten dort im Rahmen der nächsten Programmperiode 2028-2034 ausbauen." Dank der wichtigen Arbeit, die die Bezirksgemeinschaft Vinschgau als Begünstigte in diesem Zusammenhang leistet, gelinge es, durch einen Bottom-up-Ansatz jene Projekte zu fördern, die der lokalen Bevölkerung besonders wichtig sind. "Dass dieser Weg erfolgreich ist, konnten wir bereits in der aktuellen Programmperiode feststellen", betont Fränkel. 

Von Musikkapellen-Weiterbildung bis interaktive Langlaufloipenkarte

Konkret werden derzeit mehrere Projekte umgesetzt: Bereits im August 2025 genehmigt wurde zum Beispiel die Initiative "Brass Band Terra Raetica", die von der Musikkapelle Mals und der Societá da Musica Tschlin umgesetzt wird. Durch die Vernetzung von Musikvereinen aus Südtirol, Engiadina Bassa/Val Müstair und Tirol soll grenzüberschreitende Weiterbildung möglich gemacht werden. Dafür wurden etwa 57.000 Euro an Fördermitteln gewährt. 

Eine zweite Initiative nennt sich "Vernetzt – über die Grenzen hinweg wandernd Kultur erleben" und wird von der Gemeinde Taufers getragen (Budget rund 45.000 Euro). Das Projekt will die kulturelle und touristische Zusammenarbeit zwischen Taufers im Münstertal (Südtirol-Italien) und Müstair (Schweiz) stärken. Geplant ist die Wiederbelebung und Erweiterung der bestehenden 8-Kirchen-Wanderung bis hin zum UNESCO-Weltkulturerbe Kloster St. Johann – mit beschilderten Wegen, Audioguides und einer Landingpage.

Im November 2025 wurde hingegen das Vorhaben "nordic³ - Interaktive Langlaufloipenkarte Terra Raetica" genehmigt, das eine zentrale, interaktive Plattform für das gesamte Loipennetz vorsieht.  Neben Informationen zu Status, Präparierung, Technik, Schwierigkeit, Laufrichtung und Einstiegspunkten werden auch Zusatzangebote wie Verleihstationen, Gastronomie und Unterkünfte eingebunden. Antragsteller ist das Vinschgau Marketing. "Geschichte an der Stilfserjoch-/Umbrailstraße" verfolgt hingegen das Ziel, ein mehrsprachiges, interaktives Konzept mit 12 Stationen anlässlich des Jubiläums der Straßen auszuarbeiten. Es wird von der Ferienregion Ortlergebiet getragen. 

Zusatzinformationen

Der Kleinprojektefonds

Der Kleinprojektefonds (KPF) im Rahmen des INTERREG-Programms Italien–Schweiz VI-A 2021–2027 unterstützt kleine grenzüberschreitende Projekte zwischen Italien und der Schweiz. Ziel ist es, die Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur, Bildung, Umwelt, Regionalentwicklung und soziales Miteinander zu fördern. Teilnehmen können Gemeinde, Vereine, Organisationen und andere lokale Akteure aus dem Grenzgebiet. Sie können gemeinsam mit Partnern aus der Schweiz oder Italien Projektvorschläge im Umfang von maximal 100.000 Euro einreichen, die dann vom Terra-Raetica-Rat bewertet werden.

Für die Umsetzung und Verwaltung der Kleinprojektefonds auf italienischer Seite ist die Bezirksgemeinschaft Vinschgau verantwortlich. Interessierte können sich bei Fragen oder für Informationen direkt an dieselbe wenden. 

pir