Durchfahren statt umsteigen: Neue Züge über den Brenner nehmen Form an

04.08.2026, 11:05

Mobilitätslandesräte Alfreider und Zumtobel (Tirol) besichtigen Produktion neuer Zuggarnituren in Savigliano – Neue moderne Mehrsystemzüge sollen Umstieg an der Grenze überflüssig machen

Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider (im Bild Zweiter von links) hat gemeinsam mit seinem Tiroler Amtskollegen René Zumtobel (dritter von links) das Werk des Unternehmens Alstom im piemontesischen Savigliano besucht. Dort läuft derzeit die Produktion der neuen Coradia Stream-Züge. (Foto: LPA/Ingo Dejaco)
Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider (im Bild Zweiter von links) hat gemeinsam mit seinem Tiroler Amtskollegen René Zumtobel (dritter von links) das Werk des Unternehmens Alstom im piemontesischen Savigliano besucht. Dort läuft derzeit die Produktion der neuen Coradia Stream-Züge. (Foto: LPA/Ingo Dejaco)

BOZEN/SAVIGLIANO (LPA). Schon bald soll für grenzüberschreitende Pendlerinnen und Pendler sowie Reisende zwischen Tirol und Südtirol eine neue Ära anbrechen: Mit den Mehrsystemfahrzeugen des Typs Coradia Stream der Firma Alstom, die in Italien und Österreich fahren können, soll der Umstieg bei Zugfahrten an der Grenze am Brenner künftig entfallen. Eingeführt werden soll die umstiegsfreie Verbindung von Innsbruck nach Bozen und weiter nach Meran und Mals im Stundentakt ab Mitte 2027.

"Vor 150 Jahren hat man die Eisenbahn gebaut, weil es keine Autos gab. Heute investieren wir in die Schiene, weil es zu viele Autos gibt. Der Zug ist unser Rückgrat im öffentlichen Personenverkehr, weil mit der Eisenbahn auf den Hauptachsen sehr viele Menschen transportiert werden können. Und neben der Infrastruktur braucht es moderne Zuggarnituren, die sowohl in Italien als auch in Österreich verkehren können", unterstreicht Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider.

Modernste Zuggarnituren im Bau – Werksbesuch in Savigliano

Vom Fortschritt der Fahrzeugproduktion konnten sich der Südtiroler Mobilitätslandesrat und sein Tiroler Amtskollege René Zumtobel vergangene Woche in Savigliano im italienischen Piemont persönlich überzeugen. Hier werden in einer Produktionshalle des Zugherstellers Alstom aktuell die von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bestellten sechs Garnituren fertiggestellt und sollen ab 2027 ausgeliefert werden. Insgesamt werden 22 Züge gemeinsam von den Südtiroler Transportstrukturen AG Sta und den ÖBB angekauft. 

"Die unterschiedlichen Bahnstromsysteme in Österreich und Italien sind mit den gemeinsam beschafften Fahrzeugen für den Nahverkehr künftig kein Problem mehr. Der grenzüberschreitende Euregio-Nahverkehr ist für Pendlerinnen und Pendler sowie für Gäste wesentlich und wird somit eine attraktive Alternative zum motorisierten Individualverkehr über den Brenner bieten", sagt der Tiroler Mobilitätslandesrat Zumtobel.

Beim Lokalaugenschein wurden Alfreider und Zumtobel von Vertreterinnen und Vertretern des Verkehrsverbund Tirol (VVT), den ÖBB und der Sta begleitet.

Zusatzinformationen

Komfort auf Schiene: Direkt von Innsbruck nach Bozen

BOZEN (LPA). Die neuen Züge bieten umstiegsfreie Direktverbindungen im Regionalverkehr zwischen Bozen und Innsbruck sowie mehr Kapazität und Komfort. 35 Nahverkehrsverbindungen beginnen und enden aktuell am Brenner, nur vier fahren derzeit als Direktverbindung weiter. Künftig gibt es stündliche, durchgehende Verbindungen über die Grenze ohne Umstieg. Gerade Reisende mit Fahrrädern profitieren sowohl vom entfallenen Umstieg als auch von den neuen großzügigen Fahrradabteilen. Die Direktverbindungen sollen auch ein weiterer Schritt hin zu einer inklusiven Mobilität für alle sein, da besonders Personen mit Mobilitätseinschränkungen von durchgehenden Verbindungen ohne Umstieg profitieren können.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben muss das Zugpersonal am Brenner gewechselt werden, weshalb auch künftig ein kurzer Halt an der Grenze notwendig ist. Für die Fahrgäste wird es jedoch komfortabler, denn sie können am Brenner im Zug bleiben und müssen nicht auf einen anderen Zug umsteigen. 

Die Coradia-Stream-Züge

Vier Fahrzeuge des Typs Coradia Stream sind bereits in Südtirol im Einsatz. Die Züge sind 128 Meter lang, bieten den Fahrgästen insgesamt 381 Sitzplätze und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Sie verfügen über Steckdosen und WLAN und sind zudem mit einem vergrößerten Fahrradabteil ausgestattet. Im Vergleich dazu bieten die derzeit auf der Brennerstrecke im Verkehr befindlichen Nahverkehrszüge 199 Sitzplätze – also etwas mehr als die Hälfte.

red/san