#halbzeit Landesrat Alfreider (3/3): Ladinische Kultur und Jugend

28.07.2026, 13:20

Enge Zusammenarbeit zwischen den ladinischen Kulturinstitutionen, Vereinen und Organisationen in den Tälern - Mehrere Initiativen für die Förderung der ladinischen Sprache und Kultur

"Für eine Minderheitensprache wie das Ladinische ist es entscheidend, die Möglichkeiten der Digitalisierung konsequent zu nutzen. Digitale Werkzeuge – etwa im Bereich der automatischen Übersetzung oder Sprachverarbeitung – tragen dazu bei, die Verwendung des Ladinischen im Alltag zu erleichtern und seine Präsenz im digitalen Raum nachhaltig zu stärken", betonte der Direktor der Abteilung Ladinische Bildungs- und Kulturverwaltung Mathias Stuflesser (im Bild rechts, neben ihm Ressortdirektor André Comploi). (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)
"Für eine Minderheitensprache wie das Ladinische ist es entscheidend, die Möglichkeiten der Digitalisierung konsequent zu nutzen. Digitale Werkzeuge – etwa im Bereich der automatischen Übersetzung oder Sprachverarbeitung – tragen dazu bei, die Verwendung des Ladinischen im Alltag zu erleichtern und seine Präsenz im digitalen Raum nachhaltig zu stärken", betonte der Direktor der Abteilung Ladinische Bildungs- und Kulturverwaltung Mathias Stuflesser (im Bild rechts, neben ihm Ressortdirektor André Comploi). (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

WOLKENSTEIN (LPA). "Die ladinische Kultur lebt vom Engagement zahlreicher Vereine, Institutionen und Kulturschaffender. Unsere Aufgabe ist es, ihnen die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu bieten, ihre Arbeit zu unterstützen und gleichzeitig neue Entwicklungen – von der Digitalisierung bis zur internationalen Vernetzung – aktiv mitzugestalten", betonte Landesrat Daniel Alfreider bei der Pressekonferenz zur Halbzeit der laufenden Legislaturperiode.

Bildungs- und Kulturdirektor André Comploi verwies auf die enge Zusammenarbeit zwischen den ladinischen Kulturinstitutionen, Vereinen und Organisationen in den Tälern. "Durch den regelmäßigen Austausch und die enge Abstimmung konnten Synergien besser genutzt und gemeinsame Projekte verstärkt umgesetzt werden. Gleichzeitig verstehen wir uns als Ansprechpartner im Dienste von Vereinen, Kulturschaffenden und ehrenamtlichen Organisationen, die das kulturelle Leben in den ladinischen Tälern tragen", unterstrich Comploi. Dazu gab es einen intensiven Austausch unter anderem mit dem Ladinischen Kulturinstitut, dem Museum Ladin, der Ladinischen Abteilung der Freien Universität Bozen, den Kulturinstituten in Fascia/Fassa und Col/Colle Santa Lucia, der Ladinischen Schule des Fassatales sowie zahlreichen Kulturvereinen.

Auch mit eigenen Initiativen setzte das Ressort wichtige Impulse für die Förderung der ladinischen Sprache und Kultur. Nach dem erfolgreichen ersten "Tag der ladinischen Kultur" im Jahr 2025 wird die Veranstaltung am 19. September 2026 ihre Fortsetzung finden. Weitere Initiativen sind die Auszeichnung "Merit Ladin" und der Wettbewerb "Ert X Merit Ladin", die Initiative "Parola ladina dl'edema" (Ladinisches Wort der Woche) in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern sowie weitere Veranstaltungen in Kooperation mit anderen Institutionen und Vereinen, wie etwa das "Festival der zeitgenössischen alpinen Poesie" gemeinsam mit den Rätoromanen in Graubünden und im Friaul. Ein besonderes Anliegen war es dabei, Initiativen zu unterstützen, die die ladinische Sprache sichtbar machen und ihren Gebrauch im Alltag fördern.

Ein Meilenstein war auch der Abschluss des Dossiers für die UNESCO-Kandidatur der "Weitergabe der ladinischen Mythen und Sagen" als immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Das Dossier wurde nach dreijähriger Arbeit unter der wissenschaftlichen Leitung des UNESCO-Lehrstuhls der Universität Unitelma Sapienza mit Professor Pier Luigi Petrillo im November 2025 dem italienischen Kulturministerium übergeben. Seither wird die Kandidatur auf ministerieller Ebene weitergeführt.

Ein weiteres Zukunftsprojekt ist die Cësa di Ladins in St. Ulrich: Mit der Bereitstellung von 12,5 Millionen Euro durch das Land Südtirol und der Unterzeichnung der Vereinbarung mit den Gemeinden St. Ulrich, St. Christina, Wolkenstein und Kastelruth sowie der Union di Ladins de Gherdëina wurde der Grundstein für ein modernes Kultur- und Begegnungszentrum gelegt, das künftig Einrichtungen, Vereine und Kulturschaffende der ladinischen Sprachgruppe unter einem Dach vereinen und als identitätsstiftender Ort die ladinische Sprache und Kultur nachhaltig stärken soll.

Digitalisierung und Vernetzung

Ein Schwerpunkt liegt auf strategischen Projekten im Bereich der Digitalisierung. Abteilungsdirektor Mathias Stuflesser hob die zunehmende Bedeutung europäischer Kooperationen und der Digitalisierung hervor. "Für eine Minderheitensprache wie das Ladinische ist es entscheidend, die Möglichkeiten der Digitalisierung konsequent zu nutzen. Digitale Werkzeuge – etwa im Bereich der automatischen Übersetzung oder Sprachverarbeitung – tragen dazu bei, die Verwendung des Ladinischen im Alltag zu erleichtern und seine Präsenz im digitalen Raum nachhaltig zu stärken", betonte Abteilungsdirektor Stuflesser.

Mit dem Interreg-Projekt DIGI-RLF wurden gemeinsam mit Partnern aus Südtirol, Graubünden und Friaul wichtige Grundlagen für die digitale Weiterentwicklung des Ladinischen geschaffen – von der Entwicklung gemeinsamer Digitalisierungsstrategien bis hin zu Anwendungen im Bereich der automatischen Sprachverarbeitung. Mit dem ebenfalls genehmigten Projekt "Ladin a destanza" (Ladinisch aus der Ferne) sollen künftig auch Jugendliche außerhalb der ladinischen Täler über digitale Lernangebote Zugang zur ladinischen Sprache erhalten. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch die Erasmus+ Mobilitäten für das Bildungswesen sowie die Beteiligung am Projekt RaetiaCultTour, das den kulturellen Austausch im rätoromanischen Raum stärkt.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurden von der Abteilung und dem Amt für ladinische Kultur und Jugend die Förderverfahren digitalisiert sowie wichtige rechtliche Grundlagen geschaffen, darunter das neue Landesgesetz, das neue Statut für das Ladinische Kulturinstitut "Micurá de Rü" sowie die überarbeiteten Kriterien für die Förderung kultureller und künstlerischer Tätigkeiten und Investitionen.

Auch im Jugendbereich wurden die Zusammenarbeit und die Vernetzung weiter ausgebaut. Gemeinsam mit den Jugendvertretungen der drei Sprachgruppen wurden die Grundlagen für einen Landesjugendrat erarbeitet. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit mit Jugenddiensten, Präventionsnetzwerken und Ausbildungseinrichtungen intensiviert sowie die Beteiligung an Projekten der Euregio – etwa zur Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements junger Menschen – weitergeführt.

Das ladinische Kulturinstitut "Micurá de Rü"

Direktorin Irene Prinoth zog eine positive Bilanz der Tätigkeit des Ladinischen Kulturinstituts "Micurá de Rü". Neben zahlreichen kulturellen Veranstaltungen, Publikationen und Kooperationsprojekten standen insbesondere Vorhaben zur Digitalisierung und zur Nutzung Künstlicher Intelligenz im Mittelpunkt. Gemeinsam mit der Universität Innsbruck arbeitet das Institut an der Weiterentwicklung digitaler Werkzeuge und automatischer Übersetzungssysteme für die ladinische Sprache. Als besonderen Erfolg bezeichnete Prinoth zudem die Anerkennung der Fachzeitschrift Ladinia als wissenschaftliche Zeitschrift der Klasse A durch die italienische Evaluierungsagentur ANVUR. Mit der Neuauflage des Literaturwettbewerbs Scribo gemeinsam mit der Ladinischen Bildungs- und Kulturdirektion und der vertieften Zusammenarbeit mit den ladinischen Kulturinstituten in Fascia/Fassa und Col/Colle Santa Lucia wurden weitere Akzente für die Förderung der ladinischen Sprache und Literatur gesetzt.

red